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Harnblasentumore/Harnblasenkarzinome

 

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Allgemeines

Unter allen Tumoren zählt das Harnblasen-Karzinom zu den 10 häufigsten Tumorerkrankungen und liegt bei den Männern sogar auf Platz 4. Das Robert-Koch-Institut gibt für 2012 ca. 11.500 Neuerkrankungen bei Männern und 4.700 bei Frauen an. Die Erkrankungshäufigkeit liegt in den westlichen Industrieländern damit beim Mann etwa 3 x so hoch wie bei der Frau. Die höhere Tumorrate bei Männern wird u. a. auf die berufsbedingte Exposition mit krebsauslösenden Stoffen und auf den stärkeren Zigarettenkonsum zurückgeführt (auch Passivrauchen ist Risikofaktor!). Mit einer Zunahme der Erkrankung während der letzten zwei Jahrzehnte in den hochentwickelten Industrieländern ist auch eine relative Vermehrung der Blasentumoren bei den Frauen festzustellen. Die Häufigkeit der Harnblasen-Tumoren steigt ab dem 40. Lebensjahr mit zunehmendem Lebensalter stetig an. Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug 2008 lt. Robert-Koch-Institut ca. 73 Jahre für Männer bzw. 77 Jahre für Frauen. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnose handelt es sich bei 70% bis 80% der Fälle um einen Frühbefund. Rote Blutkörperchen im Urin sind eines der ersten Frühzeichen für diese Tumorerkrankung.

 

Diagnostik

Bei einer so genannten Hämaturie, also bei Blutbeimengungen im Urin oder nur mikroskopisch zu erkennenden roten Blutkörperchen im Urin, muss eine Blasenspiegelung durchgeführt werden, um einen Blasentumor nachzuweisen oder auszuschließen. Andere Symptome, wie Beschwerden beim Wasserlassen oder uncharakteristische Schmerzen, sind dagegen seltener und eher bei fortgeschrittenen Befunden zu finden.

Neben der Analyse des Urins und einer Ultraschalluntersuchung der Harnblase und der Nieren ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie) unerlässlich. Diese Diagnostik kann in Allgemeinnarkose, in örtlicher Betäubung oder auch in einer so genannten Kurznarkose durchgeführt werden. Möglich ist der Einsatz von starren und flexiblen Instrumenten mit geringer Patientenbelastung.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Testsysteme, um Tumorzellen im Urin nachzuweisen. Diese erreichen derzeit jedoch noch nicht die Sicherheit der Zystoskopie. In modernen Zentren steht heute die sogenannte fotodynamische Diagnostik zur Verfügung: Bei dieser Methode werden vor der eigentlichen Blasenspiegelung und transurethralen Resektion die Blasentumore durch eine bestimmte Substanz, die man in die Blase füllt, angefärbt und dadurch besser sichtbar gemacht: So ist es möglich, auch Frühformen und „versteckte“ Tumorformen zu finden und zu therapieren.

 

Einteilung der Blasentumoren

Glücklicherweise sind 80% der Harnblasen-Tumoren auf die innere Schicht der Harnblase (das sog. Urothel) beschränkt und gehen von dieser aus (so genannte „nicht invasive Urothelkarzinome“ Ta). Diese Tumoren können ohne Hautschnitt durch die Harnröhre blasenerhaltend geheilt werden (sogenannte transurethrale Tumorresektion – TUTUR). Fortgeschrittene Harnblasentumoren, die über die innere Schicht, also über das Urothel hinaus gehen, nennen wir invasive Harnblasentumoren: Diese Tumorform, die glücklicherweise nur 20% aller Harnblasentumore betrifft, muß (bis auf wenige Ausnahmefälle) durch die Entfernung der Harnblase (Zystektomie) therapiert werden. Daran anschließend wird der Urin in ein neu zu bildendes Reservoir abgeleitet (z.B. kontinente Ersatzblase, Ileumconduit, Beutelsystem).

 

Stadiengerechte Therapie

Zunächst wird durch einen endoskopischen Eingriff, die transurethrale Resektion (TUTUR – siehe weiter oben) - der Tumor entfernt und mikroskopisch untersucht (Histologie). Durch den mikroskopischen Befund ergeben sich verschiedene Kategorien (s.o.) und Entartungsgrade (gute und schlechte Differenzierung), die verschiedene Therapieformen nach sich ziehen: gut differenzierte oberflächliche Tumoren haben prinzipiell eine gute Prognose und sind durch die transurethrale Resektion zu heilen. In 80% der Fälle kommt es allerdings zu einem Wiederauftreten, sodass in den meisten Fällen eine sogenannte prophylaktive Blasenfüllungstherapie mit einem Chemotherapeutikum nach der Operation sinnvoll ist. Metastasen sind in diesem Stadium äußerst selten.

Oberflächliche Befunde mit hohem Entartungsgrad (schlechte Differenzierung) stellen eine Sonderform des oberflächlichen Harnblasentumors dar. Diese haben neben dem oben beschriebenen Rezidivrisiko eine hohe Tendenz fortzuschreiten und zu metastasieren. Deshalb muss die Behandlung dieses Tumors konsequent und aggressiv erfolgen. Im Einzelfall muss zwischen einer radikalen Blasenentfernung und einer lokalen Chemotherapie (lokale Blasenfüllung) bzw. Immuntherapie entschieden werden. Gleiches gilt für eine zusätzliche Sonderform des oberflächlichen Harnblasenkarzinoms, dem sogenannten Carcinoma in situ. Fortgeschrittene Harnblasentumoren, also Tumoren, die die Blasenmuskelschicht erreichen, können nicht mehr organerhaltend operiert werden. Hier sollte die radikale Entfernung der Harnblase erfolgen. Beim Mann müssen hierbei in der Regel zusätzlich die Vorsteherdrüse und die Samenblasen mit entfernt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen und nach entsprechender Diagnostik ist es auch möglich, den unteren Teil der Prostata und die Samenblasen zu belassen (sog. Jenaer Harnblase). Ziele dieses Vorgehens sind die Verbesserung der Kontinenz und Erhaltung der Potenz nach der Operation. Bei der Frau müssen die Gebärmutter, die Eierstöcke und ein kleinen Teil der Scheide aus Gründen der Radikalität ebenfalls mit entfernt werden. Danach muss entschieden werden, ob die Anlage einer Ersatzblase aus Darmanteilen möglich ist. Bei dieser Form der Operation kann der Patient anschließend auf normalem Wege Wasser lassen und eine Beutelversorgung ist nicht erforderlich.

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Andere Therapiemöglichkeiten in diesem Tumorstadium, wie zum Beispiel eine Bestrahlung mit Chemotherapie können nach heutigem Kenntnisstand nicht generell empfohlen werden und sind nur in Einzelfällen sinnvoll.

Bei der Radikaloperation des Harnblasentumors werden auch die zugehörigen Lymphknoten mit entfernt. Unter dem Mikroskop kann man feststellen, ob hier bereits eine Tumoraussiedlung in die Lymphknoten vorliegt – dann ist der Einsatz einer systemischen Chemotherapie sinnvoll. Der Aufklärung des Patienten kommt gerade beim Harnblasenkarzinom ein sehr großer Stellenwert zu, da Therapeut und Patient gemeinsam den oft schwierigen Behandlungsweg gestalten müssen. Das Verständnis des Patienten für bestimmte Maßnahmen ist dabei von ausschlaggebender Bedeutung.

 

Nachsorge

Patienten, bei denen ein Blasentumor operiert wurde, müssen regelmäßig durch einen Urologen nachgesorgt werden. Dabei ist zu unterscheiden, ob die vorausgegangene Operation den Blasenerhalt ermöglichen konnte oder ob eine Harnblasenentfernung mit nachfolgendem Harnblasenersatz notwendig wurde. Bei den meisten Patienten kann die Harnblase belassen werden, sodass hier neben einer regelmäßigen körperlichen Untersuchung und einer Urinuntersuchung eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und der Harnblase, gegebenenfalls eine Röntgenuntersuchung der Nieren und der Harnleiter erfolgen sollte. Darüber hinaus ist es wichtig, regelmäßig eine Blasenspiegelung durchzuführen, um ein Wiederauftreten des Tumors zu erkennen und zu therapieren.

Bei Patienten, bei denen eine Harnblasenentfernung durchgeführt werden musste, gehören ebenfalls Ultraschalluntersuchungen der Nieren, Kontrolluntersuchungen des Blutes und Röntgenaufnahmen des Brustkorbes, im Einzelfall die Durchführung einer Computertomographie in das Routineprogramm. Diese Untersuchungen können meist ambulant durchgeführt werden.