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Harninkontinenz

Als Harninkontinenz wird der unfreiwillige Verlust von Urin bezeichnet. Für die Definition ist das Ausmaß des Urinverlustes zunächst unerheblich. Basierend auf Art, Ausmaß und Entstehung der Harninkontinenz werden unterschiedliche Klassifikationssysteme verwendet. Die grundlegende Differenzierung erfolgt nach den Krankheitszeichen in Stress-, Drang-, Reflex- und Überlaufinkontinenz.

 

1. Stressinkontinenz

Das Hauptmerkmal der Stressinkontinenz oder auch als Belastungsinkontinenz bezeichnet, ist der Verlust von Urin bei körperlicher Belastung, beim Tragen oder Heben schwerer Gegenstände, bei körperlicher Aktivität, wie Treppen steigen, Laufen, Springen oder auch beim Husten.

 

2. Dranginkontinenz

Die Dranginkontinenz wird durch den ständigen Harndrang und eine dem Drang unmittelbar folgende nicht unterdrückbare Blasenkontraktion mit Urinverlust gekennzeichnet.

 

3. Reflexinkontinenz

Die Reflexinkontinenz beschreibt den Urinverlust, der durch eine nervale Fehlsteuerung von Harnblase und Schließmuskel ausgelöst und erhalten wird. In diesen Fällen kann eine neurologische Erkrankung, z. B. Querschnittlähmung oder Multiple Sklerose, durch neurologische Untersuchungen nachgewiesen werden.

 

4. Überlaufinkontinenz

Diese heute sehr seltene Form der Harninkontinenz wird durch eine Abflussstörung des Urins aus der chronisch überdehnten Harnblase hervorgerufen. Jeder neu aus den Nieren in die Blase gelangende Tropfen Urin führt zum Überlaufen der Harnblase und damit zum unfreiwilligen Urinverlust, der im Sinne von ständigem Tröpfeln auftritt.

 

Diagnostik und Behandlung

Die Diagnostik und Behandlung von Patienten von Harninkontinenz erfolgt durch den Facharzt für Urologie. Bei der ersten Vorstellung wird zunächst im ärztlichen Gespräch der Patient zu den aktuellen Problemen der Entwicklung der Erkrankung befragt, anschließend erfolgt eine Untersuchung des Patienten. Folgende Untersuchungen kommen in der Regel, aber nicht bei jedem Patienten, zum Einsatz:

  • Urinuntersuchung 
  • Ultraschall bei voller und leerer Blase 
  • Blasendruckmessung 
  • und eventuell eine Blasenspiegelung

Anhand der gewonnenen Befunde ist es dem behandelnden Arzt möglich, eine entsprechende Therapie einzuleiten. Hierbei stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung:

  • Medikamente (insbesondere für die Drangharninkontinenz) 
  • Physiotherapie (insbesondere für die Stressharninkontinenz)
  • Elektrotherapie (insbesondere für die Drang- und Reflexinkontinenz) 
  • Operation (insbesondere für die Stressharninkontinenz)

Welches Verfahren beim Patienten zum Einsatz kommt, wird durch den behandelnden Arzt entschieden, der den Patienten in einem Gespräch über die Vor- und Nachteile sowie mögliche Komplikationen informiert. In der Regel wird eine Stufentherapie durchgeführt, wobei man zunächst von wenig invasiven und nahezu nebenwirkungsfreien Therapieverfahren in Abhängigkeit vom Therapieerfolg zu komplizierteren Methoden übergehen wird.

 

Künstlicher Schließmuskel

Der künstliche Schließmuskel stellt eine Therapieoption in der Behandlung der Harninkontinenz dar. Er kommt insbesondere bei männlichen Patienten zum Einsatz, bei denen aufgrund von Verletzungen des Schließmuskels im Rahmen von Unfällen oder auch Operationen das Halten des Urins nicht mehr möglich ist. Dabei wird eine künstliche Manschette um den Blasenhals gelegt, welche über ein Schlauchsystem geöffnet und geschlossen werden kann. Damit ist es dem Patienten möglich, den Urin wieder zu halten und gezielt im Rahmen des Toilettenganges die Blase komplett zu entleeren.

 

Neuromodulation/ Blasenschrittmacher

In letzter Zeit ist eine Zunahme von Erkrankungen zu beobachten, die mit dem Unvermögen, die Blase komplett zu entleeren bzw. die Blase zum richtigen Zeitpunkt zu entleeren, verbunden ist. Neben medikamentösen und operativen Maßnahmen ist in den letzten Jahren das Verfahren der Neuromodulation/Blasenschrittmacher in den klinischen Alltag eingezogen, mit dem es möglich ist, diesbezügliche Störungen gezielt zu behandeln.

Nach einer entsprechenden fachärztlichen Abklärung erfolgt die Einweisung des Patienten in eine auf dieses Verfahren spezialisierte Klinik, wo im Rahmen eines Tests die Möglichkeit des Einsatzes dieses Therapieverfahrens überprüft wird. Sollte dieser Test, bei dem die Blasennerven elektrisch stimuliert werden, erfolgreich verlaufen, besteht prinzipiell die Möglichkeit zur Implantation eines solchen Schrittmachersystems, welches dem Patienten die Möglichkeit gibt, die Blase wieder gezielt und koordiniert zu entleeren. Ob und bei wem dieses Verfahren zum Einsatz kommen kann, muss jedoch im Rahmen einer Vorstellung beim spezialisierten Facharzt für Urologie festgestellt werden.