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Harnröhrenenge/ -striktur

1380190921_9134__8.jpgUnter einer Harnröhrenstriktur versteht man eine Einengung der männlichen und weiblichen Harnröhre. Je nach Ausmaß der Einengung wird das Wasser lassen mehr oder minder stark behindert und kann im Extremfalle zu einer Harnverhaltung führen. Neben Veränderungen an der Harnblase sind Spätschäden an den Nieren möglich.

 

Ursachen

Es werden angeborene und erworbene Ursachen unterschieden. Bei den selteneren angeborenen Verengungen handelt es sich häufig um Klappen und Engen im Bereich der hinteren Harnröhre. Aber auch die äußere Harnröhrenöffnung kann betroffen sein.
Bis zum Beginn der Antibiotikatherapie des Trippers (Gonorrhoe) waren 70% aller erworbenen Strikturen Spätfolgen dieser Geschlechtskrankheit. Diese Form ist heute seltener geworden. Weitere Ursachen für erworbene Strikturen sind Verletzungen der Harnröhre (z.B. Fahrradstangenverletzung), instrumentelle Untersuchungen der Harnröhre und Harnblase, Katheterbehandlung und langzeitige unspezifische Entzündungen.

 

Symptomatik

Entsprechend der im allgemeinen langsam fortschreitenden Narbenbildung wird der Harnstrahl langsam dünner, ist gedreht und im Endstadium nur noch fadenförmig oder tröpfchenweise. Demzufolge wird der Zeitbedarf, der für das Wasser lassen benötigt wird, immer größer. Da der Prozess über einen langen Zeitraum zur allmählichen Verschlechterung führt, gewöhnt sich der Patient an die Situation. Es kommt daher zur Störung der Harnblasen- und Nierenfunktion. Schließlich kann es zur kompletten Harnverhaltung kommen. Diese Situation stellt eine akute Notfallsituation in der Urologie dar.

 

Diagnostik

Die erste Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der typischen Beschwerdesymptomatik und der Beobachtung des Harnstrahles. Bei der sich anschließenden Uroflowmetrie (Harnflußmessung) zeigt sich ein typischer Kurvenverlauf (Plateauphase, verlängerte Miktionszeit). Schließlich kann die röntgenologische Darstellung der Harnröhre die Lokalisation, Länge und das Ausmaß der Verengung sichern. Instrumentelle Untersuchungen zur Diagnosestellung sind nicht notwendig.

 

Therapie

Das anzuwendende Operationsverfahren wird von der Länge und von eventuell bereits vorangegangenen Therapien abhängig gemacht. Bei kurzstreckigen Strikturen und ohne weitere Vorbehandlungen ist die sog. innere Harnröhrenschlitzung unter Sicht das günstigste Verfahren. Handelt es sich um langstreckige oder wiederholte Verengungen, ist ein offenes operatives Verfahren notwendig. Neben vielen verschiedenen OP-Techniken haben sich zur plastischen Deckung des Defektes die Haut des Penis oder der Vorhaut sowie Teile der Mundschleimhaut bewährt. Die stationäre Aufenthaltsdauer beträgt hier je nach angewandten Verfahren zwischen 3 und 18 Tagen. In Abhängigkeit von der Methode wird nach der Operation die Einlage eines Katheters in die Harnröhre oder die Ableitung des Urin über einen Bauchkatheter (Zystofix) für einige Tage notwendig. Im Falle einer akuten Harnverhaltung kann als Erstmaßnahme die Anlage eines Bauchkatheters (Zystofix) erforderlich sein.