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Harnsteinleiden

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Lebens einen oder mehrere Harnsteine zu bilden, beträgt in Deutschland ca. 4%. Bei dieser Größenordnung hat das Harnsteinleiden den Charakter einer Volkskrankheit, vergleichbar mit dem Diabetes mellitus oder Rheuma.

Die jährliche Neuerkrankungsrate beträgt in der Bundesrepublik Deutschland 0,5%, d.h. 5 auf 1000 der Bevölkerung bekommen jährlich erstmals einen Harnstein. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Lebens mehr als einen Stein zu bekommen, beträgt in Deutschland unbehandelt 50% bis100 %, behandelt 10% bis15%. Die Harnsteinkrankheit ist bei Männern viermal häufiger als bei Frauen. Der Altersgipfel liegt bei Männern im 35. Lebensjahr und bei Frauen im 30. und 55. Lebensjahr. Voraussetzung für die Harnsteinbildung ist die Übersättigung des Harns mit steinbildender Substanz.

 

Bildgebende Untersuchungsverfahren

  • Ultraschalluntersuchung: Die Sonographie erlaubt eine Beurteilung eines gestauten Hohlsystems. Sie ist insbesondere indiziert bei der Suche nach röntgennegativen Steinen, urographisch stummer Niere, Kontrastmittelallergie, Gravidität, Niereninsuffizienz und als Verlaufskontrolle zur Therapie
  • Übersichtsaufnahme und ggf. Ausscheidungsurogramm: Es können Größe der Nieren, deren Funktion, Hohlraumsystem sowie Größe, Zahl und Lage der Nieren- und Harnleitersteine beurteilt werden.

 

Alternativverfahren

Computertomographie und retrograde bzw. antegrade Ureteropyelographie

Ergeben sich aus der kompletten Anamnese, der klinischen Untersuchung sowie aus bestimmten Laborparametern (Kalzium, Phosphat, Chlorid, Kreatinin, Harnsäure, Urin-pH, Urin-Sediment und bakteriologische Untersuchung des Urins) Hinweise, muss eine weitere differenzierte Abklärung des vermuteten Harnsteinleidens erfolgen.

 

Therapie

Konservative Therapie: Harnsteine mit einer Größe bis 2mm haben eine 80%ige Wahrscheinlichkeit, spontan abzugehen. Bei Steinen über 7mm werden spontane Steinabgänge nur noch selten beobachtet. Ca. 20% der oberen Harnleitersteine und 70% der unteren Harnleitersteine werden spontan ausgeschieden. Die konservative Therapie beinhaltet neben der Spasmoanalgesie adjuvante Maßnahmen wie körperliche Bewegung, Physiotherapie (heiße Bäder) und entsprechende Flüssigkeitszufuhr. Bei massiven kolikartigen Beschwerden kann eine Ureterschiene eingelegt werden.

 

Invasive Therapie

  • ESWL: Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie ist ein Meilenstein der modernen Urologie. Die Verfügbarkeit der ESWL und die zunehmende Verbreitung dieser Technik, die ohne Narkoseverfahren eingesetzt werden kann, hat die Indikation zur Behandlung des Harnsteinleidens von anfänglich 30% bis auf heute 95% ansteigen lassen.
  • Harnleiterspiegelung und Steinentfernung: Hier erfolgt auf endoskopischem Wege die komplette Inspektion der Harnblase und des jeweiligen Harnleiters. Harnsteine im Verlauf des Harnleiters können mittels einer Schlinge eingefangen und extrahiert werden. Bei größeren Steinen ist teilweise eine Zerkleinerung vor Entfernung notwendig. Hierzu kann z.B. auch ein Laser eingesetzt werden.
  • Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL): Nach ultraschall- und/oder röntgenologisch gesteuerter Punktion des Nierenbeckenkelchsystems und Dilatation des Punktionskanals wird unter Sicht die Steinmasse zerkleinert und entfernt.
  • Schnittoperationen: Die offene Chirurgie, die bis vor einem Jahrzehnt in westlichen Industrienationen und in der Dritten Welt auch heute noch die einzige Möglichkeit zur Entfernung von Steinen aus dem Harntrakt ist, spielt heute bei der Behandlung des Harnsteinleidens in den Industrieländern hinsichtlich Indikation und Häufigkeit nur noch eine untergeordnete Rolle. Steinoperationen sind extrem selten (weniger als 1% aller Therapiemaßnahmen), aber auch schwieriger geworden, da die so genannten einfachen Steine heute die Domäne der modernen Verfahren wie der ESWL, Ureterorenoskopie etc. sind.

 

Vorbeugung

Die allgemeine Vorbeugung ist eine Empfehlung für jeden Steinpatienten, d.h. unabhängig von seiner Steinart. Das primäre Ziel besteht in der Senkung der Konzentration steinbildender Substanzen im Urin und damit der Wahrscheinlichkeit einer Steinbildung. Die Patienten mit Harnsteinleiden sollten täglich so viel trinken, dass die Urinausscheidung mindestens 2 bis 2,5 Liter pro Tag beträgt. Dazu werden vor allem harnneutrale Getränke wie Früchte-, Kräuter-, Nieren- und Blasentee, mineralstoffarme Mineralwasser und verdünnte Fruchtsäfte empfohlen. Vermieden werden sollte ein übermäßiger Genuss an Bohnenkaffee oder schwarzem Tee. Ungeeignet für die Harndilution sind alkoholische Getränke. Zusätzlich sollten eine ausgewogene vitamin- und ballaststoffreiche Kost empfohlen, Übergewicht und Tätigkeiten, die mit vermehrtem Schwitzen einhergehen, vermieden werden. Spezielle Vorbeugemaßnahmen sind von den einzelnen Steinarten abhängig und werden vom betreuenden Urologen angesetzt.