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Kinderurologie

Hodenhochstand (Maldescensus testis)

Die Häufigkeit des Hodenhochstandes nach dem 1. Lebensjahr wird mit ca. 2% angegeben. Man unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Formen des Hodenhochstandes bzw. der Hodenfehllage: Mit ca. 60% ist der Leistenhoden die häufigste Form. Der Hoden liegt dabei im Leistenkanal und kann getastet und sonographisch erfasst werden. Sonderformen sind die Gleit- und Pendelhoden. Durch einen zu kurz angelegten Samenstrang wird der Gleithoden nach dem Ausstreifen aus dem Leistenkanal in seine alte Position zurückgezogen. Beim Pendelhoden führen verstärkte Muskelfasern des Samenstranges zur Retraktion des eigentlich richtig liegenden Hodens.

 

Diagnostik

Die Diagnostik beim Hodenhochstand umfasst neben der klinischen Untersuchung die Sonographie. Bei Hodenfehllage im Bauchraum kann mit der Magnetresonanztomographie eine Treffsicherheit von ca. 90% erreicht werden. Besteht der Verdacht auf eine derartige Fehllage, so ist die Laparoskopie indiziert. Hierbei wird der Hoden in seiner Position erfasst und in Kombination mit dem Operationsverfahren nach Fowler-Stevens (Durchtrennung der Hodengefäße) in den Hodensack platziert oder für eine mikrochirurgische Autotransplantation vorbereitet. Sind beide Hoden nicht tastbar, sind Hormontests einer operativen Exploration vorzuschalten.

 

Therapie

Das Ziel der Therapie ist das Erreichen einer regelrechten Lage des jeweiligen Hodens spätestens bis Ende des 1. Lebensjahres. Damit soll eine bleibende Schädigung des betroffenen Hodens vermieden werden. Im 6. Lebensmonat sollte initial mit einer Hormontherapie begonnen werden. Diese ist wegen ihres Einflusses auf die frühkindliche Endokrinopathie sowie auf die Keimzell- und Nebenhoden-Entwicklung sinnvoll. Bei der Hormontherapie kann sowohl humanes Choriongonadotropin (HCG) als intramuskuläre Injektion als auch Luteinisierungshormon-Releasinghormon (LH-RH) als Nasenspray angewendet werden. Die Erfolgsquote bei beiden hormonellen Behandlungsformen beträgt ca. 30%. Bei erfolgloser Hormontherapie ist die operative Freilegung des jeweiligen Hodens mit Lösung des Hodens und des Samenstrangs aus der Umgebung (Orchido-Funikulolyse) sowie die anschließende Fixation des Hodens im Skrotalfach (Orchidopexie) indiziert. Hierbei wird von einem Leistenschnitt der Samenstrang nach Eröffnung des Leistenkanals dargestellt. Zusätzliche Veränderungen wie Leistenbrüche bzw. eine offene Verbindung zur Bauchhöhle können in gleicher Sitzung versorgt werden. Bei unzureichender Länge des Samenstrangs (Funiculus spermaticus) kann die Operationsmethode nach Fowler-Stevens (Durchtrennung der Hodengefäße) angewendet werden. Zudem besteht die Möglichkeit der Autotransplantation des Hodens durch mikrochirurgische Anastomose der Hodengefäße mit Gefäßen der Bauchdecke.