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Nierenzellkarzinom (Bösartiger Nierentumor)

Die bösartigen Tumoren stellen in der Bundesrepublik Deutschland nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache dar. Das Nierenzellkarzinom ist nach dem Prostata- und Harnblasenkarzinom die dritthäufigste bösartige urologische Erkrankung und nimmt als häufigster Nierentumor des Erwachsenen ca. 3% aller bösartigen Neubildungen ein.

 

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Allgemeines

Laut Robert-Koch-Institut werden für 2012 für Männer 9.300 und für Frauen 5.800 neue Fälle von Nierenzellkarzinomen erwartet. Die Relation zwischen Männern und Frauen beträgt 1,8 zu 1. Das Nierenzellkarzinom repräsentiert ca. 90% aller Nierentumoren. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 68 Jahren und für Frauen bei 71 Jahren.

Durch den breiten Einsatz moderner bildgebender Verfahren wie des Ultraschalls und der Computertomografie werden mehr Nierentumore diagnostiziert, die in einem geringen Tumordurchmesser, vor allem in niedrigen Tumorstadien, einzuordnen sind. Nur noch selten sind Nierentumore zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits metastasiert.

 

Risikofaktoren

Der Nierentumor entsteht größtenteils sporadisch. Teilweise wird aber auch eine familiäre Prädisposition z.B. im Zusammenhang mit dem v. Hippel-Lindau-Syndrom und anderen genetisch bedingten Erkrankungen beobachtet.

Nach heutigen Vorstellungen von der Tumorentstehung verursachen verschiedene Kanzerogene, Risikofaktoren (wie Bluthochdruck) und Umwelteinflüsse, wie hormonelle Behandlungen, Tabakkonsum (Rauchen und Passiv-Rauchen), fett- und fleischreiche Ernährung (Übergewicht!)und genetische Einflüsse, Veränderungen in der Zellbiologie. Auch gehäuft auftretende genetische Veränderungen ließen in den letzten Jahren vermuten, dass beim Nierenzellkarzinom sowohl erbliche als auch erworbene Veränderungen der Genstruktur und dadurch verursachte Regulationsstörungen des Zellwachstums und der Zelldifferenzierung eine der Hauptursachen der Tumorinduktion und -progression sind.

 

Stadieneinteilung

Die herkömmliche Einteilung nach Robson ist zu Gunsten der TNM-Klassifikation verlassen worden. Tumorvolumen, Tumorgrad sowie Status der Lymphknoten- und Fernmetastasierung korrelieren gut mit der Prognose.

 

Symptomatik und Diagnostik

Es führen relativ häufig routinemäßig durchgeführte Sonographien der Nieren bzw. CT-Untersuchungen im Rahmen anderer Erkrankungen zur Entdeckung einer Raumforderung bei klinisch unauffälligen Patienten.

40 bis 70% aller Nierenzellkarzinome werden derzeit zufällig entdeckt, wohingegen die Rate vor Einführung der Sonographie bei weniger als 15% lag. Als diagnostische Verfahren stehen zur weiteren Abklärung von Raumforderungen der Nieren neben dem Ultraschall auch die CT oder MRT zur Verfügung.

 

Therapie

Die Standardtherapie des organbegrenzten Nierentumors ist die komplette Entfernung des Tumors unter Erhalt der Niere. In neuesten Studien konnte gezeigt werden, dass durch dieses organerhaltende Vorgehen das Gesamtüberleben der Patienten verlängert werden konnte, da im Verlauf weniger kardiovasculäre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle etc. auftreten.

Neu zur Verfügung steht das Verfahren der Radiofrequenzablation, das bei kleineren Tumoren als minimal-invasive Methode ultraschallgestützt angewendet werden kann. Damit kann eine „Operation“ vermieden werden.

Bei größeren, Organ überschreitenden Nierentumoren muss die tumortragende Niere im Rahmen der Operation mit dem Tumor entfernt werden, um für den Patienten eine ausreichende Sicherheit bezüglich der Tumorerkrankung zu gewährleisten.

Die Chemotherapie als auch die Hormon- und Strahlentherapie stehen beim bösartigen Nierentumor als Zusatztherapie nicht zur Verfügung, da dieser diesbezüglich refraktär ist (nicht anspricht). Die Aufdeckung tumorbiologischer Mechanismen erlaubte jedoch die Entwicklung neuer Substanzen, wie Multikinasehemmer, m-TOR-Inhibitoren und auch spezifischer Antikörper.

Leider gibt es für Diagnostik und Verlaufskontrolle von Patienten mit Nierentumoren noch immer keinen Tumormarker. Insbesondere deshalb ist eine engmaschige urologische Vor- und Nachsorge erforderlich.