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Prostatakarzinom

Der Prostatakrebs, eine bösartige Tumorerkrankung, geht vom Drüsengewebe der Vorsteherdrüse (Prostata) aus. Das Prostatakarzinom ist mit ca. 25,7% aller Krebserkrankungen bei Männern der häufigste Tumor in Deutschland. Er ist innerhalb der Gruppe der an Krebs gestorbenen Männer für etwa 10,5% der Todesfälle verantwortlich und stellt damit die dritthäufigste tödliche Krebserkrankung nach Lungen- und Darmkrebs dar.


Epidemiologie

Rund 25,7 Prozent aller bei Männern jährlich neu auftretenden Krebserkrankungen betreffen die Prostata. Laut Robert-Koch-Institut wurden 2008 ca. 63.400 Neuerkrankungen in Deutschland registriert. Die beobachtbare, vermeintlich starke Zunahme in den letzten Jahrzehnten ist eher auf verbesserte diagnostische Methoden und eine allgemein höhere Lebenserwartung zurückzuführen als auf eine tatsächliche Zunahme der Fallzahlen. Das mittlere Alter bei Diagnosestellung beträgt 70 Jahre. Es gibt starke geographische und ethnische Unterschiede in der Häufigkeit: Schwarze US-Amerikaner haben die höchste Inzidenzrate, am niedrigsten ist sie bei Asiaten.

 

Risikofaktoren und protektive Faktoren

Die Ursache der Erkrankung ist bisher weitgehend unbekannt. Die genetische Disposition spielt bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle (familiäre Häufung). Daher gelten Männer, deren Vater oder Bruder Prostatakrebs hatte, als Risikopatienten mit etwa doppeltem Erkrankungsrisiko. Diese Männer sollten die üblicherweise erst ab dem 45. Lebensjahr erforderliche Krebsfrüherkennung durch Kontrolle des prostataspezifischen Antigens bereits ab dem 40. Lebensjahr wahrnehmen. Ein sicherer Einflussfaktor ist der Testosteronspiegel, da die Tumorzellen auf die Stimulation durch Androgene angewiesen sind. Im Gegensatz dazu stellen die im fortgeschrittenen Lebensalter häufige gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) und die Prostataentzündung, ob chronisch oder akut, keine unabhängigen Risikofaktoren dar. Diskutiert werden aktuell mögliche krebsförderne Einflüsse von Sonnenmangel und damit verbundener Mangel an Vitamin D sowie erhöhter Konsum von calciumhaltigen Lebensmitteln.

 

Symptomatik

In frühen Stadien ist Prostatakrebs nahezu immer symptomlos. Hauptbeschwerden ergeben sich beim fortgeschrittenen Karzinom aus der Blockade des Harnabflusses und bestehen somit in Störungen der Miktion. Beschwerden können im fortgeschrittenen Stadium mit Metastasierung auch primär durch die Metastasen entstehen, während das Prostatakarzinom klinisch stumm bleibt (Okkultes Karzinom). Am häufigsten sind hier Schmerzen der Wirbelsäule und des Beckens. Fortgeschritten metastasierte Tumoren führen auch zu Allgemeinsymptomen wie Blutarmut (Anämie) und ungewolltem Gewichtsverlust.

 

Diagnostik

Mit der digital-rektalen Untersuchung kann ein erfahrener Untersucher bereits die Verdachtsdiagnose stellen, da der Tastbefund typisch ist. Allerdings werden so die selteneren Tumoren der vorderen Organregionen unter Umständen übersehen und allgemein erst recht fortgeschrittene Stadien erkannt. Vor allem das PSA hat momentan einen hohen Stellenwert in der Diagnostik. Es ist spezifisch für die Prostata, allerdings nicht für ein Tumorleiden, sondern kann auch bei Entzündungen, benigner Prostatahyperplasie, einem Harnverhalt oder ohne ersichtlichen Grund erhöht sein. Ein Wert über 4 ng/ml gilt als abklärungsbedürftig. Das PSA ist auch der entscheidende Parameter in der Tumornachsorge nach operativer Therapie und nach einer Strahlentherapie. Dieselbe Bedeutung kommt ihm in der Verlaufskontrolle eines antiandrogen (Hormontherapie) behandelten Prostatakarzinoms zu. Beweisend für ein Prostatakarzinom ist ausschließlich der Nachweis von Krebszellen in einer bioptisch entnommenen Gewebeprobe. Die Biopsie wird durch den Enddarm unter Ultraschallkontrolle durchgeführt.

 

Stadieneinteilung

Gleason-Score:
Dabei wird nach dem histologischen Bild das am häufigsten und das am zweithäufigsten vorkommende Tumorgewebe mit Punktwerten zwischen 1 und 5 (zusammen also zwischen 2 und 10) bewertet.

Gleason-Score < 7 = günstigere Prognose

Gleason-Score > 7 = schlechtere Prognose

TNM-System:
Bei der Beurteilung des Tumorstadiums nach dem TNM-System werden Größe und örtliche Ausdehnung des Prostatatumors (T), Lymphknotenbefall (N, von engl. node: Knoten) und Metastasen (M) berücksichtigt. Die Ziffern hinter den Buchstaben stehen für Größe und Ausdehnung des Primärtumors (T1-T4), das Vorliegen von befallenen Lymphknoten (N0-N1) sowie das Vorhandensein und die Verteilung von Fernmetastasen (M0-M1c). An der Einordnung in das TNM-Schema orientiert sich die Behandlung. Auch die Prognose kann unter Hinzuziehung weiterer Parameter abgeschätzt werden.

 

Therapie

Operation:
Bei lokal begrenztem Prostatakarzinom (T1/2) und guter Konstitution ist die radikale Operation der Prostata, bei der Prostata, Samenbläschen und die regionalen Lymphknoten entfernt werden, die klassische Methode: „radikale Prostatektomie“. In Abhängigkeit vom bioptischen Befund bietet sich eine „nerverhaltende“ Operationsmethode (nach Patrick Walsh) an, bei der die für die Erektion verantwortlichen Nerven, die in unmittelbarer Lagebeziehung zur Prostata verlaufen, geschont werden. Das Risiko der postoperativen erektilen Dysfunktion sowie der Inkontinenzrate kann damit gesenkt werden. Bisher liegt für die offene radikale Prostatektomie die größte Erfahrung vor. Die Laparoskopie und auch der Einsatz des „DaVinci®“-Roboters haben bisher noch keine signifikant besseren Ergebnisse diesbezüglich nachweisen können.

Weitere Therapieoptionen:

Strahlentherapie: mittels perkutane Bestrahlung oder Brachytherapie

„Active surveillance“ (unter bestimmten Bedingungen kann auch bei wenig bösartigen Prostatakarzinomen eine „aktive Überwachung“ erfolgen)

Hormontherapie: Eine Hormontherapie in Form eines Hormonentzuges kann durch Gabe von GnRH-Analoga bzw. Antagonisten oder - heute seltener - durch (irreversible) chirurgische Kastration (Orchiektomie) durchgeführt werden. Im Laufe der Therapie kann jedoch eine Hormonresistenz des Prostatakarzinoms eintreten. Daher hat diese Methode der Behandlung einen palliativen und keinen kurativen Ansatz.

Chemotherapie: Auch sie ist bisher rein palliativ. Aktuell wird die 3wöchentliche Gabe von Docetaxel bevorzugt. Versagt diese, so kann aktuell als weiteres Medikament „Abiraterone®“ eingesetzt werden.

Palliativtherapie: Im fortgeschrittenen Stadium, das keine kurative Behandlung mehr erlaubt, können dennoch medizinische Maßnahmen die Beschwerden lindern und die Lebensqualität auf einem passablen Niveau halten. Bisphosphonate haben sich als wirksam erwiesen, um osteoporotische Veränderungen im Zuge der antiandrogenen Therapie ebenso wie durch Skelettmetastasen hervorgerufene Frakturen zu reduzieren. Zur Linderung der Knochenschmerzen werden Opioide wie Morphin oder Oxycodon eingesetzt. Durch auf erkannte Knochenmetastasen gerichtete äußere Bestrahlung können ebenfalls für einige Zeit die Schmerzen reduziert werden.

 

Prognose und Auswirkungen auf die Lebenserwartung

Die Prognose des Prostatakarzinoms ist für ein bösartiges Geschwulst beziehungsweise eine Krebserkrankung relativ günstig. Zumindest im lokal begrenzten Stadium ist die Lebenserwartung kaum verkürzt, wenn eine entsprechende Behandlung/Operation erfolgt.