logo


zurück zur Übersicht

Von 0 auf 100 - Robotische Chirurgie in Eisenach innerhalb eines halben Jahres

Vor einem halben Jahr wurde für die operativen Fächer des St. Georg Klinikums Eisenach zusätzlich zu den ohnehin schon verfügbaren Optionen einer 3D-Laparoskopie und Mikrochirurgie der Roboter „da Vinci Xi“ angeschafft. Das Gerät in Vollausstattung, also mit zwei Arbeitskonsolen und einem speziell angepassten OP-Tisch, ermöglicht es den mit minimal-invasiven Methoden, der sogenannten Schlüssellochtechnik vertrauten Chirurgen ihre operativen Fähigkeiten mit höchster Präzision anzuwenden.

Der unmittelbare Einsatz dieser Verfahren ist allerdings an eine spezielle Ausbildung und ständiges Training gebunden, wofür unter anderem der zweite Konsolenarbeitsplatz eine wichtige Voraussetzung ist.

Der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Eisenacher Klinikum, Univ.-Prof. Dr. med. Werner Kneist, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem innovativen Gebiet der Chirurgie und besitzt die für den praktischen Einsatz geforderten Zertifikate.

Neben der laufenden internen Aus- und Weiterbildung für die Eisenacher OP-Teams wurden inzwischen sechs weitere Operateure der Eisenacher Chirurgie, Urologie und Gynäkologie und ein OP-Pfleger in etablierten europäischen Trainingszentren speziell geschult.

In den zurückliegenden sechs Monaten kam der da Vinci am St. Georg Klinikum nun bereits 116-mal zum Einsatz. 81 Eingriffe betrafen Behandlungen von allgemein- und viszeralchirurgische Fällen (u.a. Magen, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse), 29-mal wurden urologische (Harnblase, Niere, Prostata).  und 6-mal gynäkologische Patienten (Gebärmutter, Eierstock) behandelt.  Bei sechs Patienten erfolgten die Einsätze wegen komplexer, interdisziplinär zu behandelnder Krankheitsbilder in Gemeinschaftsarbeit mit Urologen, Gynäkologen und Chirurgen.

FTK_0007_OP_komprimiert.jpg

v.l.n.r.  Chefärztin Priv.-Doz. Dr. med. Anke Mothes (Klinik für Frauenheilkunde), Chefarzt Prof. Dr. med. Heiko Wunderlich (Klinik für Urologie und Kinderurologie „Prof. Maximilian Nitze“) und Chefarzt Uni. Prof. Dr. med. Werner Kneist (Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie). ©stgeorgklinikum

Mehr als die Hälfte der bisherigen Patienten (60%) wurde aufgrund einer bösartige Erkrankung robotisch operiert. Einige allgemeinchirurgische Operationen (Gallenblasenentfernung, Leistenbruchversorgung) konnten ebenfalls robotisch assistiert durchgeführt werden. Schon jetzt werden in Eisenach derartige Routineeingriffe allerdings wieder hauptsächlich auf herkömmliche Weise durchgeführt, um die Roboterkapazität für komplizierte, in der Regel Tumoroperationen im Brust- und Bauchraum sowie im Retroperitoneum zu reservieren.

Die bisher dokumentieren Verläufe, die Qualität der erzielten Ergebnisse und die Patientenzufriedenheit stimmen das Team positiv.

Unter der Federführung der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie wird gemeinsam mit regionalen und überregionalen Zuweisern in Eisenach ein fachübergreifendes Zentrum für robotische Chirurgie entstehen.

Um die hiesigen Erfahrungen für die chirurgische Praxis und für die wissenschaftliche Weiterentwicklung der computerunterstützten chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten zu nutzen, werden die Parameter aller robotisch unterstützter Operationen und deren Ergebnisse zukünftig in zentrale europäische Register sowie nationale und internationale multizentrische Studien eingebracht werden müssen.

Auch an der technischen Weiterentwicklung und Erprobung neuer Methoden und Operationsroboter ist das Team aus dem St. Georg Klinikum beteiligt. Erste Hospitationen für in- und ausländische Teams zum Neuromonitoring der Beckennerven bei robotischen Eingriffen wurden in Eisenach bereits realisiert. Vor kurzem wurde in den USA ein Videobeitrag veröffentlich, in dem Univ.-Prof. Dr. med. Werner Kneist mit dem Prototyp eines völlig neuen Robotermodells mit nur einem Zugang (single-Port) statt bisher vier Zugängen (multi-Port) für die chirurgischen Instrumente, eine komplexe Operation durchgeführt hat. Die Bemühungen, robotergestützte Operationsverfahren durch Assistenzsysteme und technische Innovationen noch sicherer und in der Anwendung unkomplizierter zu machen, sind vielversprechend.

Neben einer soliden medizinischen Grundversorgung hat das St. Georg Klinikum in Eisenach seinen Patienten im Rahmen des regional intermediären Versorgungsauftrags als Schwerpunktversorger für Westthüringen seit einigen Jahren immer auch Hi-Tech Medizin angeboten.

Ein hochmoderner Hybrid Operationssaal steht den endovasculären Spezialisten der Gefäßchirurgie zur Verfügung, Kardiologen arbeiten in bestens ausgestatteten Katheterlaboren und die aktuellsten radiologischen Befunde unserer Patienten können mit zusätzlichen 3D Rekonstruktionen interpretiert werden.