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Krankheitsbilder

Essstörungen

Unter psychogenen Essstörungen versteht man krankhafte Veränderungen des Essverhaltens, die auf psychische Ursachen zurückgeführt werden können. Dem gestörten Essverhalten kommt dabei die Funktion zu, innerseelische Spannungen zu vermindern und Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen zu nehmen. Zur Gruppe der Essstörungen gehören die Anorexia nervosa, die Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Disorder.

Binge-Eating-Disorder

Das anfallartige Verlangen nach Nahrung tritt durchgängig oder nur in bestimmten Situationen auf, wie z.B. beim Alleinsein. Betroffene nehmen in kurzer Zeit übermäßige Mengen an Nahrung zu sich, was zu einem deutlichen oder extremen Übergewicht mit einem Body-Maß-Index über 30 führt.

Die Adipositas ist mit verschiedenen Krankheitsbildern assoziiert, wie beispielsweise dem Diabetes mellitus, Bindegewebsschwäche, Gelenkerkrankungen und Arthrose sowie Einschränkungen der Lungenfunktion. Häufig werden psychische Begleitsymptome wie innere Unruhe, Antriebsmangel und Leistungsschwäche beschrieben. Die Essanfälle gehen mit Kontrollverlust und Völlegefühl und später damit verbundener Selbstverachtung einher.

Ursachen

Zu den möglichen Ursachen der Erkrankung gehören genetische Veranlagung, soziokulturelle Einflüsse wie Überflussgesellschaft und geringe körperliche Aktivität in Beruf und Freizeit, aber auch psychosoziale Faktoren. Bei letzteren wird das individuelle Essverhalten u.a. geprägt durch das Vorbildverhalten der Eltern.

Bulimia Nervosa

Sie geht mit Heißhungeranfällen einher, verbunden mit unabweisbaren Essattacken und Kontrollverlust. Im Anschluss an die Essattacken erfolgen gewichtsreduzierende Gegenmaßnahmen in Form von Erbrechen, aber auch Missbrauch von Entwässerungs- und Abführmitteln. Betroffene zeigen eine übermäßige Sorge um ihr Körpergewicht. Körperliche Folgen der Bulimia nervosa sind Zahnschmelzschäden, Magen- und Speiseröhrenentzündungen, Menstruationszyklusstörungen, Elektrolytstörungen und Erkrankungen der Speicheldrüsen. Es finden sich häufig psychiatrische Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Borderline-Persönlichkeitsstörungen.

Betroffene Personen erleben wiederkehrend einen Kampf um die Befriedigung ihrer Bedürfnisse einerseits und eine Abwehr und Kontrolle der Bedürftigkeit andererseits. Es tritt ein Teufelskreis ein zwischen einem negativen Körpererleben, einer angestrebten Diät, dem beeinträchtigten Selbstwertgefühl und letztlich dem Bedürfnisdurchbruch, der am Ende zum bulimischen Verhalten führt, was wiederum eine weitere Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls nach sich zieht.

Anorexia Nervosa

Diese Essstörung ist gekennzeichnet durch ein ausgeprägtes und selbst herbeigeführtes Untergewicht mit einem BMI unter 17,5. Symptome sind Fasten, selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln und übertriebene körperliche Aktivität, aber auch der Einsatz von Appetitzüglern und Entwässerungsmedikamenten. Betroffenen haben große Angst vor einer Gewichtszunahme.

Gesundheitliche Folgeschäden finden sich zum Beispiel als Ausbleiben der Menstruation, Osteoporose, Herzrhythmusstörungen, Kachexie und in extremen Fällen führt die Erkrankung sogar zum Tod.

Ursachen

Die Ursachen der Bulimia und Anorexia nervosa sind vielgestaltig und reichen von genetischen Einflüssen bis hin zu Einflüssen aus der Familie. Damit verbunden ist ein Ringen um Autonomie und eine Erhöhung des Selbstwertgefühls über ein niedriges Körpergewicht. Die Erkrankung wird in jungen Jahren häufig durch Trennungen vom Elternhaus oder alterstypische Verunsicherungen ausgelöst.

Wie werden Essstörungen diagnostiziert?

Die Diagnostik beinhaltet ausführliche körperlich-internistische Untersuchungen, insbesondere die Erfassung von körperlichen Begleit- oder Folgeerkrankungen, aber auch Untersuchungen, um eine körperliche Erkrankung als Ursache der Gewichtsveränderung auszuschließen. Zur Diagnostik gehört auch das Erheben der Krankheitsvorgeschichte mit den im Laufe des Lebens gemachten zwischenmenschlichen Beziehungserfahrungen in der Familie und dem Umfeld. Ergänzend können testpsychologische Untersuchungen durchgeführt werden. Ärztliche Konsultationen der anderen somatischen Kliniken des Allgemeinkrankenhauses können ohne Probleme hinzugezogen werden.

Wie können Essstörungen therapiert werden?

Kern und Grundlage einer jeden Therapie ist die längerfristige Psychotherapie mit dem Ziel, das Essverhalten zu normalisieren. Letztlich geht es um Klärung, Bearbeitung und Stabilisierung des persönlichen Hintergrundes. Voraussetzung dafür ist ein tragfähiger Veränderungswunsch, den es immer wieder zu entwickeln gilt.

Neben der Gesprächspsychotherapie kommen kreative, körper- und verhaltensorientierte Therapiemaßnahmen hinzu, welche die Wahrnehmung von Gefühlen und den Umgang damit verbessern. Körperbezogene Gefühle, Anspannungen und Bedürfnisse sowie Grenzen des Körpers und auch das Körperbild an sich können schließlich verändert und vollständiger wahrgenommen werden.

Im Zusammenhang mit der Aufklärung über das Erkrankungsbild (Ernährungsberatungen, Selbstkontrollstrategien in Form von Esstagebüchern) werden Veränderungen im Essverhalten trainiert, indem Mahlzeiten gemeinsam geplant, gekocht und eingenommen werden. Verzerrte Vorstellungen und Erlebnisweisen von sich selbst und dem eigenen Körper können Sie bearbeiten und korrigieren.

Eine teilstationäre Therapie ist selbstverständlich nur dann angezeigt, wenn keine lebensbedrohlichen körperlichen Komplikationen aufgetreten sind und der BMI nicht unter 14 abgefallen ist. In diesem Fall sowie bei schwerem rapidem Gewichtsverlust sollten Patienten vollstationär behandelt werden.

Im nicht lebensbedrohlichen Krankheitsfall ist Ihr Hausarzt für Sie da.

Ist Ihr Hausarzt nicht zu erreichen, steht Ihnen der Kassenärztliche Notdienst unter der zentralen, kostenfreien Tel. 116 117 zur Verfügung. Der Behandlungsraum befindet sich neben der Notfallaufnahme im St. Georg Klinikum Eisenach.

Lebensbedrohliche Notfälle werden in der Notfallaufnahme behandelt. Notruf 112!

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© Tobias Kromke