Sprechstunden Im Notfall
„Prof. Dr. Maximilian Nitze“

Die Harninkontinenz in der Klinik für Urologie und Kinderurologie

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Harnleiden

Harninkontinenz

Als Harninkontinenz wird der unfreiwillige Verlust von Urin bezeichnet. Für die Definition ist das Ausmaß des Urinverlusts zunächst unerheblich. Basierend auf Art, Ausmaß und Entstehung der Harninkontinenz werden unterschiedliche Klassifikationssysteme verwendet. Die grundlegende Differenzierung erfolgt nach den Krankheitszeichen in Stress-, Drang-, Reflex- und Überlaufinkontinenz. Nach der Einteilung richtet sich auch die Therapie. Neben operativen Verfahren mit Bändern und Netzen steht uns heute auch eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung.

Welche Kategorien der Harninkontinenz gibt es?

Stressinkontinenz: Hauptmerkmal ist der Verlust von Urin bei körperlicher Belastung, beim Tragen oder Heben schwerer Gegenstände, bei körperlicher Aktivität, wie Treppensteigen, Laufen, Springen oder auch beim Husten.

Dranginkontinenz: Sie wird durch den ständigen Harndrang und eine dem Drang unmittelbar folgende nicht unterdrückbare Blasenkontraktion mit Urinverlust gekennzeichnet.

Reflexinkontinenz: Sie beschreibt den Urinverlust, der durch eine nervale Fehlsteuerung von Harnblase und Schließmuskel ausgelöst und erhalten wird. In diesen Fällen kann eine neurologische Erkrankung, z. B. Querschnittlähmung oder Multiple Sklerose, durch neurologische Untersuchungen nachgewiesen werden.

Überlaufinkontinenz: Diese heute sehr seltene Form der Harninkontinenz wird durch eine Abflussstörung des Urins aus der chronisch überdehnten Harnblase hervorgerufen. Jeder neu aus den Nieren in die Blase gelangende Tropfen Urin führt zum Überlaufen der Harnblase und damit zum unfreiwilligen Urinverlust, der im Sinne von ständigem Tröpfeln auftritt.

Wie stellt sich die Diagnostik dar?

Die Diagnostik und Behandlung von Patienten von Harninkontinenz erfolgt durch den Facharzt für Urologie. Bei der ersten Vorstellung wird zunächst im ärztlichen Gespräch der Patient zu den aktuellen Problemen der Entwicklung der Erkrankung befragt, anschließend erfolgt eine Untersuchung des Patienten. Folgende Untersuchungen kommen in der Regel, aber nicht bei jedem Patienten, zum Einsatz:

  • Urinuntersuchung
  • Ultraschall bei voller und leerer Blase
  • Blasendruckmessung
  • eventuell eine Blasenspiegelung
Wie sieht eine Therapie aus?

Anhand der gewonnenen Befunde ist es dem behandelnden Arzt möglich, eine entsprechende Therapie einzuleiten. Hierbei stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung:

  • Medikamente (insbesondere für die Drangharninkontinenz)
  • Physiotherapie (insbesondere für die Stressharninkontinenz)
  • Elektrotherapie (insbesondere für die Drang- und Reflexinkontinenz)
  • Operation (insbesondere für die Stressharninkontinenz)

Welches Verfahren beim Patienten zum Einsatz kommt, wird durch den behandelnden Arzt entschieden, der den Patienten in einem Gespräch über die Vor- und Nachteile sowie mögliche Komplikationen informiert. In der Regel wird eine Stufentherapie durchgeführt, wobei man zunächst von wenig invasiven und nahezu nebenwirkungsfreien Therapieverfahren in Abhängigkeit vom Therapieerfolg zu komplizierteren Methoden übergehen wird.

Eine weitere Therapieoption in der Behandlung der Harninkontinenz stellt ein künstlicher Schließmuskel dar. Er kommt insbesondere bei männlichen Patienten zum Einsatz, bei denen aufgrund von Verletzungen des Schließmuskels durch Unfälle oder Operationen das Halten des Urins nicht mehr möglich ist. Dabei wird eine künstliche Manschette um den Blasenhals gelegt, die sich über ein Schlauchsystem öffnen oder schließen lässt. So ist es dem Patienten möglich, den Urin wieder zu halten und gezielt im Rahmen des Toilettenganges die Blase komplett zu entleeren.

Was versteht man unter „Neuromodulation“?

In letzter Zeit ist eine Zunahme von Erkrankungen zu beobachten, die mit dem Unvermögen, die Blase komplett zu entleeren bzw. die Blase zum richtigen Zeitpunkt zu entleeren, verbunden ist. Neben medikamentösen und operativen Maßnahmen ist in den letzten Jahren das Verfahren der Neuromodulation/Blasenschrittmacher in den klinischen Alltag eingezogen, mit dem es möglich ist, solche Störungen gezielt zu behandeln.

Nach einer entsprechenden fachärztlichen Abklärung erfolgt die Einweisung des Patienten in eine auf dieses Verfahren spezialisierte Klinik. Hier wird im Rahmen eines Tests die Möglichkeit des Einsatzes dieses Therapieverfahrens überprüft. Sollte dieser Test, bei dem die Blasennerven elektrisch stimuliert werden, erfolgreich verlaufen, besteht prinzipiell die Möglichkeit zur Implantation eines Schrittmachersystems. Es ermöglicht es dem Patienten, die Blase wieder gezielt und koordiniert zu entleeren. Ob und bei wem dieses Verfahren zum Einsatz kommen kann, muss im Rahmen einer Vorstellung beim spezialisierten Facharzt für Urologie festgestellt werden.

Im nicht lebensbedrohlichen Krankheitsfall ist Ihr Hausarzt für Sie da.

Ist Ihr Hausarzt nicht zu erreichen, steht Ihnen der Kassenärztliche Notdienst unter der zentralen, kostenfreien Tel. 116 117 zur Verfügung. Der Behandlungsraum befindet sich neben der Notfallaufnahme im St. Georg Klinikum Eisenach.

Lebensbedrohliche Notfälle werden in der Notfallaufnahme behandelt. Notruf 112!

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© Tobias Kromke