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„Prof. Dr. Maximilian Nitze“

Harnsteinleiden in der Klinik für Urologie und Kinderurologie

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Harnleiden

Harnsteinleiden

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Lebens einen oder mehrere Harnsteine zu bilden, beträgt in Deutschland etwa vier Prozent – bei steigender Tendenz in den letzten Jahren. In dieser Größenordnung hat das Harnsteinleiden den Charakter einer Volkskrankheit, vergleichbar mit dem Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.

Wie verbreitet sind Harnsteinleiden?

Die jährliche Neuerkrankungsrate liegt in Deutschland bei 0,5 Prozent, d. h. von 1.000 Bewohnern bekommen fünf im Laufe eines Jahres erstmals einen Harnstein. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe eines Lebens mehr als einen Stein zu bekommen, beträgt in Deutschland unbehandelt 50 bis 100 Prozent, behandelt zehn bis 15 Prozent. Die Harnsteinkrankheit ist bei Männern viermal häufiger als bei Frauen. Der Altersgipfel liegt bei Männern im 35. Lebensjahr und bei Frauen im 30. und 55. Lebensjahr. Voraussetzung für die Harnsteinbildung ist die Übersättigung des Harns mit steinbildender Substanz.

Wie lässt sich ein Harnsteinleiden feststellen?

Die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) erlaubt eine Beurteilung eines gestauten Hohlsystems. Sie ist insbesondere indiziert bei der Suche nach röntgennegativen Steinen, urographisch stummer Niere, Kontrastmittelallergie, Gravidität, Niereninsuffizienz und als Verlaufskontrolle zur Therapie. Mit einer Übersichtsaufnahme und ggf. einem Ausscheidungsurogramm können die Größe der Nieren, ihre Funktion, Hohlraumsystem sowie Größe, Zahl und Lage der Nieren- und Harnleitersteine beurteilt werden.

Ergeben sich aus der kompletten Anamnese, der klinischen Untersuchung sowie aus bestimmten Laborparametern (Kalzium, Phosphat, Chlorid, Kreatinin, Harnsäure, Urin-pH, Urin-Sediment und bakteriologische Untersuchung des Urins) Hinweise, muss eine weitere differenzierte Abklärung des vermuteten Harnsteinleidens durch eine Computertomographie und retrograde bzw. antegrade Ureteropyelographie erfolgen.

Wie sieht eine Therapie aus?

Harnsteine mit einer Größe von bis zu zwei Millimetern haben eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit, spontan abzugehen. Bei Steinen über sieben Millimeter werden spontane Steinabgänge nur noch selten beobachtet. Etwa 20 Prozent der oberen Harnleitersteine und 70 Prozent der unteren werden spontan ausgeschieden. Die konservative Therapie beinhaltet neben der Spasmoanalgesie adjuvante Maßnahmen wie körperliche Bewegung, Physiotherapie (heiße Bäder) und entsprechende Flüssigkeitszufuhr. Bei massiven kolikartigen Beschwerden kann eine Ureterschiene eingelegt werden.

Invasive Therapie

  • ESWL: Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie ist ein Meilenstein der modernen Urologie. Die Verfügbarkeit der ESWL und die zunehmende Verbreitung dieser Technik, die ohne Narkoseverfahren eingesetzt werden kann, hat die Indikation zur Behandlung des Harnsteinleidens von anfänglich 30 bis auf heute 95 Prozent ansteigen lassen.
  • Harnleiterspiegelung und Steinentfernung: Hier erfolgt auf endoskopischem Wege die komplette Inspektion der Harnblase und des jeweiligen Harnleiters. Harnsteine im Verlauf des Harnleiters können mittels einer Schlinge eingefangen und extrahiert werden. Bei größeren Steinen ist teilweise eine Zerkleinerung vor Entfernung notwendig. Hierzu kann z. B. auch ein Laser eingesetzt werden.
  • Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL): Nach ultraschall- und/oder röntgenologisch gesteuerter Punktion des Nierenbeckenkelchsystems und Dilatation des Punktionskanals wird unter Sicht die Steinmasse zerkleinert und entfernt.
  • Schnittoperationen: Die offene Chirurgie, die bis vor einem Jahrzehnt in westlichen Industrienationen und in der Dritten Welt auch heute noch die einzige Möglichkeit zur Entfernung von Steinen aus dem Harntrakt ist, spielt heute bei der Behandlung des Harnsteinleidens in den Industrieländern hinsichtlich Indikation und Häufigkeit nur noch eine untergeordnete Rolle. Steinoperationen sind extrem selten (weniger als ein Prozent aller Therapiemaßnahmen), aber auch schwieriger geworden, da die so genannten einfachen Steine heute die Domäne der modernen Verfahren wie der ESWL, Ureterorenoskopie etc. sind.
Wie lässt sich Harnsteinleiden vorbeugen?

Die allgemeine Vorbeugung ist eine Empfehlung für jeden Steinpatienten, unabhängig von der Steinart. Das primäre Ziel besteht in der Senkung der Konzentration steinbildender Substanzen im Urin und damit der Wahrscheinlichkeit einer Steinbildung.

Patienten mit Harnsteinleiden sollten täglich so viel trinken, dass die Urinausscheidung mindestens 2 bis 2,5 Liter pro Tag beträgt. Empfohlen werden dazu vor allem harnneutrale Getränke wie Früchte-, Kräuter-, Nieren- und Blasentee, mineralstoffarme Mineralwasser und verdünnte Fruchtsäfte. Ein übermäßiger Genuss an Bohnenkaffee oder schwarzem Tee sollte vermieden werden. Ungeeignet für die Harndilution sind alkoholische Getränke.

Zudem sollte eine ausgewogene vitamin- und ballaststoffreiche Kost empfohlen, Übergewicht und Tätigkeiten, die mit vermehrtem Schwitzen einhergehen, vermieden werden. Spezielle Vorbeugemaßnahmen sind von den einzelnen Steinarten abhängig und werden vom betreuenden Urologen angesetzt.

Im nicht lebensbedrohlichen Krankheitsfall ist Ihr Hausarzt für Sie da.

Ist Ihr Hausarzt nicht zu erreichen, steht Ihnen der Kassenärztliche Notdienst unter der zentralen, kostenfreien Tel. 116 117 zur Verfügung. Der Behandlungsraum befindet sich neben der Notfallaufnahme im St. Georg Klinikum Eisenach.

Lebensbedrohliche Notfälle werden in der Notfallaufnahme behandelt. Notruf 112!

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