Sprechstunden Im Notfall
„PROF. DR. MAXIMILIAN NITZE“

Das Peniskarzinom in der Klinik für Urologie und Kinderurologie

FTK 0016 St Georg Beckenbodenzentrum
FTK 0012 St Georg 02

Höchste Patientensicherheit

FTK 0032 St Georg Beckenbodenzentrum
FTK 0024 St Georg 02

Beste Versorgung nach aktuellem Stand der Wissenschaft

FTK 0046 St Georg web

Komplettes Spektrum der modernen Urologie

FTK 0038 St Georg Beckenbodenzentrum

Maligne Penistumoren sind in ca. 95 Prozent der Fälle Plattenepithelkarzinome, d.h. sie gehen von der äußeren Zellschicht der Haut aus. Die übrigen fünf Prozent verteilen sich auf Sarkome (z. B. Angiosarkom, Fibrosarkom, Kaposi-Sarkom), maligne Melanome, Basaliome sowie andere extrem seltene Weichteiltumoren. Das Plattenepithelkarzinom des Penis entwickelt sich vorzugsweise an der Eichel oder der Vorhaut, kann aber auch auf den Penisschaft und benachbarte Strukturen übergreifen.

Wie verbreitet sind Peniskarzinome?

Der häufigste maligne (bösartige) Tumor am männlichen Glied ist ein Peniskarzinom. Mit ca. 600 Neuerkrankungen in Deutschland handelt es sich um eine seltene Erkrankung, die damit 0,4 bis 0,65 Prozent aller malignen Erkrankungen bei Männern ausmacht. Der Altersgipfel dieser Tumoren liegt im sechsten Lebensjahrzehnt.

Während das Peniskarzinom in westlichen Industrieländern eine seltene Erkrankung darstellt, ist es für einige Entwicklungsländer Südamerikas, Afrikas und Asiens aufgrund seiner Häufigkeit (bis 20 Prozent aller bösartigen Tumoren der männlichen Bevölkerung) ein ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem.

Chronische und wiederkehrende Infektionen an der Eichel oder der Vorhaut auf Basis einer mangelnden Hygiene im Genitalbereich sind ursächlich an erster Stelle zu nennen. Begünstigt wird dieser Zustand durch eine bestehende Phimose (Vorhautverengung). Im Gegensatz dazu ist ein Peniskarzinom bei zirkumzidierten (an der Vorhaut beschnittenen) Männern eine Rarität. Allerdings führt nur eine im Kleinkindalter durchgeführte Beschneidung zu einer effektiven Senkung des Tumorrisikos.

Ebenso konnte in mehreren Studien der Zusammenhang zwischen einer Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) – insbesondere der Subtypen 16 und 18 – sowohl mit dem Peniskarzinom als auch mit dem Carcinoma in situ des Penis (sog. Oberflächenkarzinom, welches noch nicht die Basalmembran durchbrochen hat) nachgewiesen werden.

Wie erkennt man ein Peniskarzinom?

Frühsymptome sind selten und in der Regel uncharakteristisch. Dadurch werden sie häufig übersehen oder ignoriert. Ebenso können sie unter einer bestehenden Vorhautverengung versteckt sein. Trotzdem kann man beim Peniskarzinom aufgrund seiner oberflächlichen Entwicklung eine effektive Früherkennung betreiben.

Typisch sind fortdauernde Entzündungen und Ausfluss bzw. knötchenartige Veränderungen oder Verhärtungen anfangs an der Eichel und an der Vorhaut oder dem Übergang zum Penisschaft sowie später auch am Schwellkörper. Fortgeschrittene Tumoren sind von warzenförmigem bis blumenkohlartigem Wuchs gekennzeichnet oder können als häufig zu Blutungen neigendes Geschwür auftreten.

Oft liegen dann auch tastbare Leistenlymphknoten vor. Handelt es sich dabei um Lymphknotenmetastasen, kann der Lymphabfluss aus den Beinen behindert werden. Dies führt zu einer Schwellung des Beines, einem so genannten Lymphödem.

Wie stellt sich die Diagnostik dar?

Am Beginn der Diagnostik steht die genaue klinische Untersuchung des Genitals. Häufig kann dabei schon eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Während zottige oder warzenförmige Plattenepithelkarzinome und Riesenkondylome bereits durch ihr äußeres Erscheinungsbild leicht von gutartigen Veränderungen unterschieden werden können, ist dies für flache Haut- und Schleimhautveränderungen oft schwierig. Darüber hinaus können gutartige und bösartige Veränderungen direkt nebeneinander auftreten. Daher sollte die Diagnosesicherung im Zweifelsfall durch eine Gewebeprobe oder Entfernung des gesamten Herdes am Glied und mikroskopische Untersuchung des gewonnen Materials erfolgen.

Gleichzeitig kann dabei eine Untersuchung auf humane Papillomaviren und deren Typisierung durchgeführt werden. Besteht der Verdacht auf das Vorliegen eines malignen Melanoms sollte der Tumor immer gleich komplett reseziert werden.

Für die Diagnostik von Lymphknoten- und Fernmetastasen stehen wie bei anderen Tumorerkrankungen die bildgebenden Verfahren mit Sonographie, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zur Verfügung, wenngleich damit keine hundertprozentige Diagnosesicherheit erzielt werden kann.

Wie sieht eine Therapie aus?

Wie bei anderen Tumorerkrankungen wird anhand der Ausbreitung des Tumorleidens eine Stadieneinteilung vorgenommen. In Deutschland wird ein Tumor vorzugsweise nach dem TNM-System klassifiziert. Entscheidende Kriterien hierbei sind die Ausdehnung des Tumors am Penis bzw. die Einbeziehung von Nachbarstrukturen (T) und ob bereits Lymphknoten- (L) oder Fernmetastasen (M) nachweisbar sind. Der Malignitätsgrad (G) wird vom Pathologen nach mikroskopischer Beurteilung des Tumorgewebes bestimmt. Letzterer stellt eine Ergänzung zum TNM-System dar und ist gleichzeitig ein Maß für die Aggressivität des Malignoms.

Bei lokal fortgeschrittenen Befunden ist eine Teilentfernung des Penis erforderlich, bei Frühbefunden kann eine lokale Tumorentfernung, gegebenenfalls ergänzt durch eine Laserbehandlung, ausreichend sein. Hat der Tumor hingegen bereits Nachbarstrukturen infiltriert, muss eine komplette Entfernung des Penis sowie der betroffenen Strukturen erfolgen. Unter Umständen ist die Neuanlage der Harnröhrenöffnung im Dammbereich notwendig.

Infiltriert der Tumor tiefere Gewebsschichten, steigt das Risiko einer Lymphknotenmetastasierung deutlich an. In vielen Fällen ist dann eine Entfernung der Lymphknoten im Leistenbereich beidseits, eventuell auch der Lymphknoten im Becken erforderlich.

Eine Chemotherapie kann bei bereits erfolgter Fernmetastasierung hilfreich sein. Wann und ob eine Chemotherapie einzuleiten ist, stellt immer eine individuelle Entscheidung dar, die nur von einem in der Behandlung von Peniskarzinomen Erfahrenen getroffen werden kann.

Wie sehen die Heilungschancen aus?

Das Peniskarzinom besitzt in seinem Frühstadium als kleiner lokalisierter Tumor ohne Lymphknotenmetastasen die besten Heilungschancen. So liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 70 bis 90 Prozent. Kommt eine mikroskopische Lymphknotenmetastasierung hinzu, sinkt sie um 50 Prozent. Weniger als zehn Prozent beträgt sie, wenn Lymphknoten beidseits und im Leisten- bzw. Beckenbereich involviert sind. Eine zu diesem Zeitpunkt durchzuführende teilweise oder vollständige Amputation des Penis sowie die Entfernung der genannten Lymphknoten stellen gravierende Eingriffe mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität für die Betroffenen dar.

Neben der Vermeidung der genannten Risikofaktoren ist zur Prophylaxe eines Plattenepithelkarzinoms am Penis eine sorgfältige Genital- und Sexualhygiene erforderlich. Ebenso ist jedem Mann eine regelmäßige Selbstuntersuchung zu empfehlen. Bei bestehender Phimose ist unbedingt eine Zirkumzision anzustreben. Zudem sollten von jedem Mann ab dem 45. Lebensjahr zumindest die von den Krankenkassen getragenen Krebsvorsorgeuntersuchungen bei einem Urologen wahrgenommen werden.

Im nicht lebensbedrohlichen Krankheitsfall ist Ihr Hausarzt für Sie da.

Ist Ihr Hausarzt nicht zu erreichen, steht Ihnen der Kassenärztliche Notdienst unter der zentralen, kostenfreien Tel. 116 117 zur Verfügung. Der Behandlungsraum befindet sich neben der Notfallaufnahme im St. Georg Klinikum Eisenach.

Lebensbedrohliche Notfälle werden in der Notfallaufnahme behandelt. Notruf 112!

Bildrechte

© Tobias Kromke