Sprechstunden Im Notfall
„Prof. Dr. Maximilian Nitze“

Das Harnblasenkarzinom in der Klinik für Urologie und Kinderurologie

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Tumoren

Harnblasentumor/ Harnblasenkarzinom

Tumoren der Harnblase sind die häufigsten Tumoren des Harntrakts und nach den Prostata-Tumoren die zweit-häufigsten im Bereich des Urogenitaltraktes. Dabei gehen 2% aller bösartigen Erkrankungen und 3,5% aller Krebs-Todesfälle auf Harnblasen-Tumore zurück.

Wie verbreitet sind Harnblasentumore?

Unter allen Tumoren zählt das Harnblasen-Karzinom zu den 10 häufigsten Tumorerkrankungen und liegt bei den Männern sogar unter den 4 häufigsten. Das Robert-Koch-Institut gibt für 2016 ca. 22.270 Neuerkrankungen bei Männern und 7.210 bei Frauen an. Die Erkrankungshäufigkeit liegt in den westlichen Industrieländern damit bei Männern etwa dreimal so hoch wie bei Frauen.

Die höhere Tumorrate bei Männern wird unter anderem auf die Exposition mit krebsauslösenden Stoffen, wie zum Beispiel auf den stärkeren Zigarettenkonsum zurückgeführt (auch Passivrauchen ist Risikofaktor!). Mit einer Zunahme der Erkrankung während der letzten zwei Jahrzehnte in den hochentwickelten Industrieländern ist auch eine relative Vermehrung der Blasentumoren bei den Frauen festzustellen.

Die Häufigkeit der Harnblasen-Tumoren steigt ab dem 40. Lebensjahr mit zunehmendem Lebensalter stetig an. Das durchschnittliche Alter der Patienten bei Auftreten der Erkrankung betrug 2016 laut Robert-Koch-Institut ca. 72 Jahre für Männer beziehungsweise 73 Jahre für Frauen. Zum Zeitpunkt der Erstdiagnose handelt es sich bei 70% bis 80% der Fälle um einen Frühbefund. Rote Blutkörperchen im Urin sind eines der ersten Frühzeichen für diese Tumorerkrankung.

Wie erkennt man einen Harnblasentumor?

Bei einer so genannten Hämaturie, also bei Blutbeimengungen im Urin oder nur mikroskopisch zu erkennenden roten Blutkörperchen im Urin, muss eine Zystoskopie „Blasenspiegelung“ durchgeführt werden, um einen Blasentumor auszuschließen. Andere Symptome, wie Beschwerden beim Wasserlassen oder uncharakteristische Schmerzen, sind dagegen seltener und eher bei fortgeschrittenen Befunden zu finden.

Neben der Analyse des Urins und einer Ultraschalluntersuchung der Harnblase sowie der Nieren ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie) unerlässlich. Diese Diagnostik kann in örtlicher Betäubung oder auch in einer so genannten Kurznarkose durchgeführt werden. Verwendet werden starre und flexible Instrumenten mit geringer Patientenbelastung.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Testsysteme, um Tumorzellen im Urin nachzuweisen. Diese erreichen derzeit jedoch noch nicht die Sicherheit der Zystoskopie. In modernen Zentren steht heute die sogenannte fotodynamische Diagnostik zur Verfügung: Bei dieser Methode werden vor der eigentlichen Blasenspiegelung und transurethralen Resektion die Blasentumore durch eine bestimmte Substanz, die man in die Harnblase füllt, angefärbt und dadurch besser sichtbar gemacht: So ist es möglich, auch Frühformen und „versteckte“ Tumorformen zu finden und zu therapieren.

Welche Kategorien der Blasentumoren gibt es?

Glücklicherweise sind 80% der Harnblasen-Tumoren auf die innere Schicht der Harnblase, das sogenannte Urothel, beschränkt und gehen von dieser aus. Es sind sogenannte „nicht invasive Urothelkarzinome“. Diese Tumoren können ohne Hautschnitt durch die Harnröhre blasenerhaltend geheilt werden. Man spricht bei dieser endoskopischen Operationstechnik durch die Harnröhre von der transurethralen Tumorresektion – TUR-Blase.

Fortgeschrittene Harnblasentumoren, die über die innere Schicht, also über das Urothel hinaus gehen, nennen wir invasive Harnblasentumoren: Diese Tumorform, die glücklicherweise nur 20% aller Harnblasentumore betrifft, muss bis auf wenige Ausnahmefälle durch die Entfernung der Harnblase, der sogenannten Zystektomie therapiert werden. Daran anschließend wird der Urin in ein neu zu bildendes Reservoir abgeleitet, zum Beispiel in eine kontinente Ersatzblase oder in eine aus dem Dünndarm chirurgisch geschaffene Harnblase, dem Ileum-Conduit, aus der der Urin mittels Stoma aus der Bauchdecke in ein Beutelsystem abgeführt wird.

Stadiengerechte Therapie

Zunächst wird durch einen endoskopischen Eingriff durch die Harnröhre der Tumor entfernt und mikroskopisch untersucht (Histologie). Durch den mikroskopischen Befund ergeben sich verschiedene Kategorien und Entartungsgrade (gute und schlechte Differenzierung bzw. low-grade und high-grade), die verschiedene Therapieformen nach sich ziehen: gut differenzierte oberflächliche Tumoren haben prinzipiell eine gute Prognose und sind durch die transurethrale Resektion zu heilen. In 80% der Fälle kommt es allerdings zu einem Wiederauftreten, sodass in den meisten Fällen eine sogenannte prophylaktive Blasenfüllungstherapie mit einem Chemotherapeutikum, zum Beispiel Mitomycin oder auch BCG (Bacillus-Calmette-Guérin) nach der Operation sinnvoll ist. BCG ist ein Verfahren mit lebenden Bakterien, die ähnlich einer Impfung gezielte Entzündungsreaktionen zur Bildung körpereigener Abwehrzellen hervorrufen. Metastasen (Tochtergeschwülste) sind in diesem Stadium äußerst selten.

Oberflächliche Befunde mit hohem Entartungsgrad (schlechte Differenzierung, high grade) stellen eine Sonderform des oberflächlichen Harnblasentumors dar. Diese haben neben dem oben beschriebenen Rezidivrisiko eine hohe Tendenz fortzuschreiten und zu metastasieren. Deshalb muss die Behandlung dieses Tumors konsequent und aggressiv erfolgen. Im Einzelfall muss zwischen einer radikalen Blasenentfernung und einer lokalen Chemotherapie (lokale Blasenfüllung) beziehungsweise Immuntherapie entschieden werden. Gleiches gilt für eine zusätzliche Sonderform des oberflächlichen Harnblasenkarzinoms, dem sogenannten Carcinoma in situ.

Fortgeschrittene Harnblasentumoren, also Tumoren, die die Blasenmuskelschicht erreichen, sollen nicht mehr organerhaltend operiert werden. Hier sollte die radikale Entfernung der Harnblase erfolgen. Beim Mann müssen hierbei in der Regel zusätzlich die Vorsteherdrüse und die Samenblasen mit entfernt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen und nach entsprechender Diagnostik ist es auch möglich, den unteren Teil der Prostata und die Samenblasen zu belassen.
Man spricht hier von der sogenannten Jenaer Harnblase. Ziele dieses Vorgehens sind die Verbesserung der Kontinenz und Erhaltung der Potenz nach der Operation.

Bei der Frau müssen die Gebärmutter, die Eierstöcke und ein kleiner Teil der Scheide aus Gründen der Radikalität ebenfalls mit entfernt werden. Danach muss entschieden werden, ob die Anlage einer Ersatzblase aus Darmanteilen möglich ist. Bei dieser Form der Operation kann der Patient anschließend auf normalem Wege Wasser lassen und eine Beutelversorgung ist nicht erforderlich.

Harnblase1

Abb. 1 Aufbau des Harnblasentraktes

Andere Therapiemöglichkeiten in diesem Tumorstadium, wie zum Beispiel eine Bestrahlung mit Chemotherapie können nach heutigem Kenntnisstand nicht generell empfohlen werden und sind nur in Einzelfällen sinnvoll.

Bei der Radikaloperation des Harnblasentumors werden auch die zugehörigen Lymphknoten mit entfernt. Unter dem Mikroskop kann man feststellen, ob hier bereits eine Tumoraussiedlung in die Lymphknoten vorliegt – dann wäre der Einsatz einer systemischen medikamentösen Tumortherapie sinnvoll.

Der Aufklärung des Patienten kommt gerade beim Harnblasenkarzinom ein sehr großer Stellenwert zu, da Therapeut und Patient gemeinsam den oft schwierigen Behandlungsweg gestalten müssen. Das Verständnis des Patienten für bestimmte Maßnahmen ist dabei von ausschlaggebender Bedeutung.

Harnblase2

Abb. 2 Aufbau der „Jenaer Blase“ geformt aus einem Stück Darm des Patienten nach Radikalentfernung der Blase

Zeitlicher Ablauf der Behandlung

Wenn wir bei Ihnen einen Tumor in der Harnblase festgestellen, veranlassen wir die Einweisung in unsere Klinik. Sie werden dann von unseren Ärzten weiter untersucht und für eine Operation vorbereitet. Diese Operation erfolgt je nach Notwendigkeit und Umfang der Vorbereitung entweder am gleichen oder darauffolgenden Tag.

Bei der Operation wird der Tumor durch die Harnröhre (also ohne Schnitt) mit einer Schlinge entfernt. Um den Tumor besser abgrenzen zu können und eventuelle Vorstufen mit zu erfassen, wird der Eingriff unter spezieller Fluoreszenztechnik erfolgen. Der Tumor wird dabei farblich markiert.

Die Wundfläche, die durch die Entfernung des Tumor entsteht, wird verschorft.

Sie erhalten zusätzlich nach der Operation einen Spezialkatheter, über den die Harnblase gespült werden kann, bis der Urin wieder seine normale Farbe hat. Ihr Operateur legt bei der Operation fest, wie lange der Katheter verbleiben muss, denn nur er kann die Notwendigkeit der Liegedauer beurteilen.

Am gleichen Tag der Operation wird außerdem ein spezielles Medikament über den Katheter in die Harnblase eingefüllt, um das Wiederauftreten solcher Tumoren zu vermeiden oder zu verlangsamen.

Sobald wir den feingeweblichen Befund (Histologie) erhalten, besprechen wir diesen mit Ihnen ausführlich. Zudem besprechen wir das weitere Vorgehen.

Nach Entfernung des Katheters wird nochmals das Wasserlassen überprüft und Sie werden in die ambulante Weiterbetreuung entlassen.

Im nicht lebensbedrohlichen Krankheitsfall ist Ihr Hausarzt für Sie da.

Ist Ihr Hausarzt nicht zu erreichen, steht Ihnen der Kassenärztliche Notdienst unter der zentralen, kostenfreien Tel. 116 117 zur Verfügung. Der Behandlungsraum befindet sich neben der Notfallaufnahme im St. Georg Klinikum Eisenach.

Lebensbedrohliche Notfälle werden in der Notfallaufnahme behandelt. Notruf 112!

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© Tobias Kromke