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„Prof. Dr. Maximilian Nitze“

Der Vesiko-uretero-renaler Reflux in der Klinik für Urologie und Kinderurologie

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Kinderurologie

Vesiko-uretero-renaler Reflux

Vesiko-uretero-renaler Reflux bezeichnet den Rückfluss von Urin aus der Harnblase in den Harnleiter und das Nierenbecken. Die Therapie hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt und ist heute zumeist konservativ.

Nach Heikel und Parkkuleinen werden fünf Refluxgrade unterteilt:

Grad 1: Reflux in den Harnleiter, erreicht das Nierenbecken nicht.

Grad 2: Reflux erreicht das Nierenbecken, keine Erweiterung des Hohlraumsystems.

Grad 3: Leichte oder mäßige Erweiterung des Hohlraumsystems. Nierenkelche normal oder leicht verplumpt

Grad 4: Mäßige Erweiterung des Hohlraumsystems, Nierenkelche verplumpt. Impressionen der Papillen noch sichtbar.

Grad 5: Massiver Reflux mit ausgeprägt dilatiertem und geschlengeltem Ureter sowie dilatierten Nierenbecken und Nierenkelchen.

Wie erkennt man einen Vesiko-uretero-renaler Reflux?

Wiederholte Harnwegsinfekte sind ein Indiz für einen Vesiko-uretero-renaler Reflux und bedürfen der weiteren Abklärung. Hochfieberhafte Harnwegsinfekte mit Flankenbeschwerden sind Zeichen einer Nierenbeteiligung. Ein vesiko-uretero-renaler Reflux kann sich auch durch Bluthochdruck, Nierenfunktionsverlust oder eine Wachstumsretardierung bemerkbar machen.

Die weitere Abklärung beinhaltet Patientenbefragung, körperliche Untersuchung, Urinbefund, Blutwerte, Röntgenuntersuchung (Miktionszysturethrogramm, MCU) und die Sonographie. Das MCU kann erst nach Infektsanierung durchgeführt werden. Neben der Klassifikation des Refluxes erlaubt das MCU auch die Beurteilung der Blasenform sowie die Beurteilung der Harnröhre. Alternativ kann der Refluxausschluss auch sonographisch (MCS) erfolgen. Manchmal sind funktionelle Untersuchungen der Harnblase notwendig.

Die Nierenszintigraphie mit MAG-3 bzw. DMSA erlaubt die Beurteilung der Nieren und seitengetrennten Funktion des oberen Harntraktes. Die endoskopische Untersuchung der Harnleitermündungen und deren Lage erfolgt in Narkose mit der Bereitschaft zur operativen Korrektur. Liegt eine eindeutige Störung in Form und Lage vor, so ist die Chance auf spontanes Ausheilen des Refluxes (Maturation) gering. Für die operative Refluxkorrektur ist damit das Aussehen der Harnleitermündungen von größerer Bedeutung als der Refluxgrad.

Wie sieht eine Therapie aus?

Neben dem Refluxgrad sind die Lage der Harnleitermündungen (Ostienlage) und das Aussehen (Morphologie) der Harnleitermündungen (normales, schlitzförmiges Ostium, Stadion-, Hufeisen- und Golflochostium) therapiemitbestimmende Kriterien. Die Lage wird von normal bis stark nach außen verlagert angegeben.

Folge des Refluxes können Nierenfunktionsverlust sowie Bluthochdruck (renal bedingte Hypertonie) als Ausdruck einer Schädigung des Nierengewebes nach wiederholten Entzündungen (Pyelonephritiden) sein.

Grund für die konservativ-medikamentöse Therapie des vesiko-uretero-renalen Refluxes ist die Möglichkeit des spontanen Ausheilens des Refluxes (Maturation) unter Infektprophylaxe innerhalb der ersten sechs Lebensjahre in Abhängigkeit vom Reflexgrad in etwa 40 Prozent. Voraussetzung für eine konservative Langzeittherapie bzw. Infektprophylaxe ist das Ausbleiben sogenannter Durchbruchsinfektionen (Pyelonephritis trotz Antibiotikaprophylaxe). Mittel der Wahl für die Infektprophylaxe sind Nitrofurantoin- und Sulfonamid-Präparate in niedriger Dosierung. Die Infektionsprophylaxe kann zeitlich begrenzt werden. Mit zunehmendem Lebensalter wird die Wahrscheinlichkeit eines spontanen Ausheilens des Refluxes geringer.

Derzeit muss die endoskopische Therapie gerade bei geringgradigen Refluxen favorisiert werden. Die aktuellen Ergebnisse mit Deflux-Unterspritzungen (Dextranomer/Hyaloronsäure-Copolymer (Deflux)) scheinen gerade bei niedriggradigen Refluxen vielversprechend.

Offen operative Therapie: Durch erfolgreich operative Refluxkorrektur ist das Risiko weiterer Harnwegsinfektionen minimiert. Zur Beseitigung des Refluxes im Kindesalter hat sich nach erfolgloser Unterspritzungstherapie die offene Operation mit einer Erfolgsquote von 95 bis 98 Prozent bewährt. Bei beidseitigem Reflux sollte zur Vermeidung einer Blasenfunktionsstörung ein zweizeitiges Vorgehen mit einem freien Intervall von drei Monaten gewählt werden. Laparoskopische Methoden haben sich bisher noch nicht durchgesetzt.

Der sekundäre vesiko-uretero-renale Reflux kann Folge anderer Erkrankungen sein. Auch ist es möglich, dass eine direkte Schädigung der ehemals intakten Harnleitermündung vorliegt. Diagnostik und Therapie der auslösenden Grunderkrankung stehen beim sekundären Reflux naturgemäß im Vordergrund.

Im nicht lebensbedrohlichen Krankheitsfall ist Ihr Hausarzt für Sie da.

Ist Ihr Hausarzt nicht zu erreichen, steht Ihnen der Kassenärztliche Notdienst unter der zentralen, kostenfreien Tel. 116 117 zur Verfügung. Der Behandlungsraum befindet sich neben der Notfallaufnahme im St. Georg Klinikum Eisenach.

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© Tobias Kromke